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Zur Geschichte des Ortes und wechselnde Eigentümer

(Zusammengestellt von Anneliese von Arnswaldt)

 

Am Fuße des Ith-Höhenzuges südöstlich von Hameln in Richtung Holzminden liegt seit vielen Jahrhunderten die Ortschaft Bisperode. Sie ist entstanden aus der Rodesiedlung des Bistums Hildesheim, zu dessen Grundbesitz diese Gegend gehörte. Im Mittelalter vermehrte sich die Bevölkerungszahl ständig. Um Hungersnöten mit ihren Unruhen in der Bevölkerung zu entgehen und die wilden Rodungen einzudämmen, sahen sich die Grundbesitzer gezwungen, ordnungsgemäße Rodungen nebst Siedlungen auf ihrem Grundbesitz anzulegen. So entstand auch die Rodung und Siedlung von Bischofsroda, d.h. Rodung des Bischofs, was im Laufe der Zeiten zu dem heutigen Namen Bisperode führte.

1219 bekam der Landwirt Henrizius aus Kemnade vom Bistum Hildesheim dieses Gebiet zum Lehn und nannte sich wie das damals üblich war, nach diesem Besitz: Henrizius von Biscopingerrode (Biscopincgerothe). Dieser Vertrag ist die erste Urkunde über die Existenz des Ortes Bisperode.

Nachdem das Geschlecht Biscopingerrode ausstarb, wurde das Lehn dem bereits seit 1150 urkundlich bekanntem Geschlecht von Werder de Insula 1491 zu Lehn gegeben. Sie führten im Wappen ein weißes rotgezäumtes Roß in blauem Feld. Werders kamen, wie urkundlich nachweisbar, 1132 aus der Hildesheimer Ritterschaft.

Johann v. Werder erscheint als erster 1390 in einer Urkunde der Familie v. Hake in hiesiger Gegend. Sie hatten bereits Besitzungen in Bisperode, Bessingen und Harderode und waren Gerichtsherren über mehr als 1100 Morgen "Hägerland". Am Ende des 16. Jahrhunderts erhielten sie auch die Untergerichtsbarkeit des Amtes Wickensen zugestanden.

Es brauste der Dreißigjährige Krieg auch über die Ithbörde. Der Merian berichtet darüber in seiner Topographia Germaniae:

"Als Adeliche Hauß Bisperode, so im Fürstenthumb Braunschweig Wolfenbüttel, ezwa eine Meile von der Statt Hamelen gelegen, heisset eigentlich Bischofferrohda, ist vor Jahren von einem Bischoff von Hildeßheim außgerohdet und gebawet, nachgehends aber durch Vertauschung deß Ampts Steurwald und anderer Güter auff das alte Adelige Geschlecht der von Werder, Lehnsweis transferiert worden.

Anno 1625, als der General Tilly mit der Keyserlichen Armada in diß Land kommen, auch die Armada von Hamelen ab nach der Steinburg marchiret, ist dieses Hauß nebst dem Dorff wie ebe die Scheure voll Korn gewesen gäntzliche abgebrant und eingeäschert, daß auch so wenig die von dem Werder als die Einwohner in drey Jahren sich alldaicht haben behelffen oder sich ein Mensch auffhalten können.

Ob auch wohl so viel die von dem Werder immer haben erheben können dieses Haus mit Scheuren und Vorwercke, auch in dem Dorf die Einwohner wieder angebauet, so ist doch Anno 1638 den 2. Oktober. Wie der Schwedische General Lieutenant Kinge mit etzlichen Regimentern allda logirt, alle angebawete Gebäude, auch dass Dorf mit allem Korn zum andern mahl wieder erbärmlich eingeäschert und abgebrannt, dass auch gedachter General Kinge kaum wegen des Fewers vom Hause sich hat machen und demselben entrissen kösien.

Sonsten gehören zu diesem Hause unterschiedliche Dörfer samt Zehendten, Pächten und andern präitationibus, sonderlich aber herzlich große Holzungen, die in guten Mastjahren ein ehrliches austragen können: Ist auch ziemlicher Ackerbau daselbst und das nunmehr aber eins erbaute Haus in einer gesunden und ziemlich lustigen Gegend gelegen."

Durch Ankauf des wüst gewordenen Bauernlandes vergrößerten Werders den Besitz. Jedoch bereits 1665 starb der letzte männliche Sproß dieses Zweiges der Familie Jobst v. d. Werder und hinterließ 5 Töchter. Um das frei gewordene Lehen bemühten sich vergeblich Familienmitglieder aus dem Anhaltinischen Werder-Zweig. Zugleich entbrannte ein Streit über die Oberlehnshoheit zwischen dem Herzog von Braunschweig und dem Bischof Maximilian von Hildesheim, der zugleich Kurfürst von Köln war und von 1650 bis 1688 regierte.

Um das frei gewordene Lehngut Bisperode bewarb sich auch Hermann Werner von Wolff-Metternich, Fürstbischof zu Paderborn, der sich gleich nach dem Tode des Jobst v. d. Werder in den Besitz von Bisperode setzte.

Die Familie Metternich hat ihren Ursprung in einem Zweig derer von Hemmerich, auch der Hembergs. Da sie anscheinend im benachbarten Dorf Metternich Grundbesitz erworben hatten, nannten sie sich vom 14. Jahrhundert nach diesem. Es bestanden 12 führende Linien, von denen eine als einzige 1635 den Reichsfreiherrntitel erwarb.

Eine Neubelehnung der Anhaltinischen Werder-Linie lehnte die Lehnscurie ab. Der Grund für dies Verhalten dürfte darin zu blicken sein, dass die Werder'sche Familie dem katholischen Glauben abgeschworen und maßgebend auf Seiten des Königs Gustav Adolf v. Schweden gekämpft hatte. Nach 40-jähriger Prozeßdauer entschied das Reichskammergericht 1720 zu Gunsten der Wolff Metternich's. 1683 erwarben Metternich's die Untergerichtsbarkeit über Bisperode und Bessingen und es wurde dieser Familienzweig 1731 in den Reichsgrafenstand erhoben.

Bereits in den Jahren 1694 bis 1700 ließ Hermann Werner Wolff Metternich zur Gracht, Fürstbischof zu Paderborn das barocke dreiflügelige Wasserschloß Bisperode in seiner heutigen Gestalt an der Stelle des ehemaligen durch die Hildesheimer Stiftsfehde, den Dreißigjährigen Krieg etc. mehrfach abgebrannten und wieder aufgebauten Werder'schen Edelhof von dem Kapuzinerbruder Ambrosius aus Oelde wieder errichten.

Das Leben war im Mittelalter auf dem Lande für unsere heutigen Begriffe hart. Die Bisperöder Feldmark war in Gewannen aufgeteilt. Ein Ausdruck, der sich in Flurbezeichnungen wie Ochsenhals, Rehhagen, Teufelsbrok noch lange erhalten haben. Abgegrenzt wurden die Gewanne durch die Gewannsteine. In jeder Gewanne hatte der Bauer ein Tagewerk oder einen Morgen Land, das er an einem Morgen oder Tage beackern konnte. Die Fruchtart wurde durch das Hub- und Haingericht vorgeschrieben, wie auch die Dreifelderwirtschaft. Das gesamte Land eines Bauern umfasste zwischen 20 bis 40 Morgen. Das Vieh wie Schafe, Rinder, Pferde, Schweine wurden auf Koppeln und zur Eichelmast in den Wald getrieben, wodurch die Felder keinen Mist bekamen. Geackert wurde mit Holzpflug, -Egge,- Walze. Als Fahrzeug diente der zweiräderige Karren. Von diesen Erträgen musste der Bauer den "Zehnten" als eine Art Pacht abgeben. Hinzu kam oft der "Meyerzins" in Gestalt von Geflügel, Eier, Fleisch, Obst usw., dazu Spann- und Herrendienste. Wer seinen Verpflichtungen nicht nachkam, wurde abgemeiert. Niemand konnte ohne Einwilligung des Gutsherrn das Dorf verlassen, ein Handwerk erlernen oder heiraten. Junge Leute, die ein Handwerk erlernen oder ehrbare Frauen heiraten wollten, konnten sich freikaufen. Kinder treuer Diener, die gute Anlagen zeigten, wurden von gütigen Gutsherren auch unentgeltlich entlassen.

Die wirtschaftliche Lage der halbfreien Bauern im hannoverschen Gebiet war recht ungünstig. Einerseits mussten sie eine Art Pacht an den Grundbesitzer und den Zehnten des Ernteertrages für Städte und Regierung abgeben, andrerseits dem Grundbesitzer kostenlose Hand- und Spanndienste leisten, die zeitlich nicht festgelegt waren. Dazu kamen die Naturallieferungen für Pfarre, Küsterei und Schule. So kam es 1775 zum Bauernaufstand in Bisperode und Bessingen. Die Bauern dieser Dörfer schlossen sich zusammen und gingen auch handgreiflich gegen Hofmeister und sonstige sie beaufsichtigten Angestellte vor. Es dauerte längere Zeit bis sich die streitenden Parteien in vielen Gerichtsverhandlungen einigen konnten.

Die Schulverhältnisse auf dem Lande waren damals recht schlecht. Neben dem Patronat für die kirchlichen Belange waren die Grundbesitzer auch für die Schulen zuständig. So auch in Bisperode mit den dazu gehörigen Nachbardörfern. Daher wandte sich, wie aus den noch vorhandenen Akten ersichtlich ,der Schulmeister, Landschatzaufseher und Schneider Johan Friedrich Oppermann 1789 an das fürstliche Konsistorium und führte an, dass das Schulhaus nur eine Stube besitze, in dem er sein Handwerk verrichte, seine ganze Familie wohne und alle Schulkinder unterrichte. Die Eingabe endet mit: "In ehrfurchtsvoller Erwartung um gnädige Hörung meiner demütigsten und fußfälligsten Bitte bin ich Euer Hochwohlgeboren, Hochwürdige und Wohlgeboren untertänigster Knecht.

Das Konsistorium verfügte, dass das gräfliche Gericht in Bisperode und der Superintendent bei der Gemeinde vorstellig werden solle, wie diesem Übel abzuhelfen sei. Sechs Jahre später erhielt es nach Androhung hoher Strafen den Bericht des Grafen Metternich, dass alles in Ordnung sei. 23 Jahre später richtet der Nachfolger des Lehrers, der Schullehrer Reus, eine Eingabe an das fürstliche Konsistorium, mit der Bitte um Befehl zur Erbauung eines neuen Schulhauses. Es sei nicht möglich 40-50 Kinder in einem Raum zu unterrichten, in der sich die Familie mit kleinen Kinder und die Frau mit ihren Hausarbeiten aufhalte. Am 1. Juli 1823 gibt derselbe Lehrer beim Fürstlichen Kreisgericht in Eschershausen zu Protokoll, dass er und seine Familie nicht mehr in dem zerfallenden Hause wohnen könne. Er vermöge sich nicht mehr im Bett vor Regen zu schützen; bei jedem Windstoß liefe er Gefahr mit seiner Familie durch den Einsturz des Gebäudes verschüttet zu werden. Auch könne er seiner Pflicht des Unterrichts in der kleinen Stube eingezwängt, durch das unmöglich zu verhindernde Geschrei und Geschrei der eigenen Kinder so oft gestört werde. Erst 1864, also 68 Jahre nach der ersten Eingabe konnte sich Bisperode eines neuen Schulhauses erfreuen.

Heute besitzt Bisperode eine große moderne Schule mit Turnhalle, einen weitläufigen Kindergarten mit Krippenplätzen, Fußballplatz, Gemeindehaus, einen Zahnarzt, zwei Banken, tgl. Busverbindung nach Hameln, Coppenbrügge und Holzminden, sowie eine Postagentur neben einem regen Vereinsleben. Auch für die Befriedigung der alltäglichen Notwendigkeiten ist in Bisperode durch die große Zahl von Geschäften, Handwerksbetrieben und Gasthäuser gesorgt, so dass es sich hier in dem wunderschönen Weserbergland gut leben lässt.

Da diese Schwierigkeiten überall in der Landwirtschaft auftraten, erließ 1834 die Braunschweigische Regierung, beeinflusst von den liberalen Reformen des Reichsfreiherrn Karl von Stein (1757 - 1831), ein Gesetz, daß den leibeigenen Bauern mehr Freiheiten zugestand. Sie erhielten das Recht, die auf ihnen liegenden Lasten mit Geld abzulösen, wozu ihnen die Regierung verbilligte Kredite zur Verfügung stellte. Diese Regelung wurde 1841 auch von Hannover übernommen. So gut diese Regelung für fleißige und tüchtige Bauern war, so ungünstig war sie für Grundbesitzer, die nun genötigt waren für die Bearbeitung ihrer Ackerflächen sowie für die Pflege ihres lebenden Inventars Löhne zu bezahlen. Der Einsatz von Maschinen und anderer uns heute selbstverständlichen Techniken, Forschung und Ausbildung war noch sehr gering und viele Grundbesitzer waren diesen Problemen nicht gewachsen.

Etwa um das Jahr 1875 boten daher die damaligen Besitzer, die Freiherrn von Wolff-Metternich, das Gut Bisperode der Gemeinde zum Ankauf an, die aber diesen Kauf ablehnte. Darauf wechselten die Besitzer einige Male bis der Landwirt August Voss aus Mascherode bei Braunschweig, aus einer alten Landwirtsfamilie stammend, das Gut für seinen Sohn Arthur dazu kaufte und seit dem 1. April 1901 bewirtschaftete.

So ist die Familie Voss seit 100 Jahren Eigentümer des Rittergutes Bisperode:

ab 1901

August Voss, geb. am 16. Dezember 1853 - verst. am 30. Januar 1922

mit Dina Voss, geb. Leßmann, geb. am 6. November 1851 - verst.

ab 1916

Arthur Voss, geb. am 17. September 1879 - verst. am 19. August 1939

ab 1939

Alma Voss, geb., Keysser, geb. am 11. Februar 1889 - verst. am 18. Mai 1966

ab 1958

Axel Voss, geb. am 8. Januar 1920 - verst. am 15. Juli 1980

ab 1980

Ursula von Wedel, verw. Voss, geb. von Arnswaldt, geb. am 20. September 1929

ab 1989

Andreas Voss, geb. am 28. Mai 1959 mit Ilka Voss, geb. Heißmeyer, geb. am 24. Juli 1961

Beschreibung der Gebäude:

Das Schlossgebäude

Die Brücke

Der Hof

Die Kirche